Nordbayerischer Kurier: Zu neuen Ufern in Bayreuths Fluten

“Die besten Stimmen”: Am Samstag, 11. Juli, singt der gefeierte Wagner-Tenor Peter Seiffert auf einer Seebühne auf dem Röhrensee

Bayreuth. Sein Bayreuther Lohengrin ist noch in bester Erinnerung. Im Interview mit KURIER-Redakteur Roman Kocholl spricht der gefeierte Tenor Peter Seiffert über die Tücken des Wagner-Gesangs und seinen Auftritt am Bayreuther Röhrensee. Dort ist Seiffert am Samstag, 11. Juli, um 20.30 Uhr unter dem Motto “Die besten Stimmen” auf der Seebühne gemeinsam mit seiner Ehefrau Petra-Maria Schnitzer zu hören. Der KURIER präsentiert das Konzert.

Frage: Herr Seiffert, was bedeutet Ihnen Bayreuth?
Seiffert: Wir haben sogar ‘mal nach einer Wohngelegenheit in Bayreuth für unsere Familie und unsere Kinder gesucht. Bayreuth ist uns immer noch wichtig. Das liegt weniger an der Lage als an den Menschen, die dort sind. Die Bayreuther haben die große Fähigkeit, nicht böse zu sein, wenn man mal nicht anruft zum Geburtstag oder zu Weihnachten, und dann trotzdem Freunde zu bleiben. Deswegen ist Bayreuth unser Freundschaftsmittelpunkt.

Frage: Ist die Wohnungssuche in Bayreuth noch aktuell?
Seiffert: Wenn man noch im Festspielhaus singen würde, wäre das sicher ganz schön. Aber wenn man da wohnt und dann die Fanfaren hört, aber selber nicht mehr singt, ist das sicher schwer. Aber jetzt singen wir ja am Röhrensee.

Frage: Ihr Bayreuther Lohengrin ist ja noch in bester Erinnerung. Wie haben Sie selbst die Produktion erlebt?
Seiffert: Ich fand die Produktion sehr angenehm, es waren liebe Kollegen. Wir haben ja auch – in Absprache mit dem Regisseur – einiges an der Regie verändert. Da fand ich einiges noch plausibler. Das war schon eine tolle Sache. Und der Abschied war schon ergreifend.

Frage: Ist der Lohengrin Ihre Lieblingspartie von Wagner?
Seiffert: Der Lohengrin war schon lange meine Lieblingspartie, aber hinzugekommen ist mittlerweile der Tannhäuser. Den liebe ich auch über alles. Zumal er mir jetzt mit seiner irdischen Seite noch ein bisschen näher liegt als der Lohengrin mit der fast nur reinen, edlen Seite. Es ist sehr spannend einen solchen Charakter auch darzustellen und nicht nur zu singen – die Abstürze, die möglich sind, und auch der Sinn nach Höherem und Schönerem.

Frage: Warum gibt es nur wenige Heldentenöre, die Wagners Partien gerecht werden?
Seiffert: Es gibt immer weniger Theaterdirektoren, die für die jungen Sänger auch väterliche Förderer sind, so wie das früher der Fall war. Wenn jetzt einer kommt, von dem man denkt: Ah, das könnte mal ein Wagner-Sänger sein, dann wird er auch gleich rücksichtslos zum Wagner eingeladen. Und wenn man da einmal Blut geleckt hat, auch mit dem Erfolg, den Wagner oft mit sich bringt, auch wenn man ihn nur halb so gut singt, dann kommt man nicht mehr weg. Daran scheitert alles. Man nimmt sich nicht mehr die Zeit zu wachsen und zu gedeihen und wenn die Blume aufgehen sollte, ist sie eigentlich schon verwelkt. Daran scheitert unser ganzes System. Heute sind die Sänger in dem Fach mit 40 schon hin, vor allem die Tenöre. Ich würde jedem Sänger raten, aufzupassen.

Frage: Das heißt, Angebote abzulehnen?
Seiffert: Man muss das Alter einberechnen, die Schwierigkeit der Partie, und überlegen, was man vorher gemacht hat. Wenn man dann einsteigt, muss man auch die Kondition haben, eine so lange Partie durchzustehen. Mozart zu singen ist auch schwer, aber es schadet der Stimme nicht so wie der stimmraubende Wagner. Oft wird heute mit einer lyrischen Stimme an piano-Stellen forte gebrüllt, damit es nach Wagner klingt. Aber wenn dann der wirkliche Ausbruch kommt, wo es dann über dem Orchester, das forte spielt, zu singen heißt, dann ist meistens Sendepause. Das ist das Problem von heute.

Frage: Sie sind ja seit vielen Jahren erfolgreich im Geschäft. Wie halten Sie Ihre Stimme fit?
Seiffert: Mit der Liebe zur Musik und mit der Liebe, schöne Bögen und nicht nur forte zu singen. Und nicht nur Wagner-Sänger zu sein. Ich nehme dankend auch andere Partien an.

Frage: Was macht Ihnen mehr Spaß: eine Wagner Partie oder “Over The Rainbow” von Henry Mancini?
Seiffert: “Over The Rainbow” werde ich nicht singen.

Frage: Beim Konzert am Röhrensee wird aber auch die so genannte leichte Muße zu hören sein, etwa aus “Land des Lächelns”…
Seiffert: Ich liebe “Land des Lächelns”, ich liebe Operette und ich liebe auch Cross-Over-Musik, wenn sie gut gemacht ist, und ich singe sie mit dem selben Herzblut wie Wagner.

Frage: Ist René Kollo für Sie ein Vorbild?
Seiffert: Ich habe erst vor kurzem mit René Kollo zusammengesessen. Mit René Kollo ist das so wie mit dem Hasen und dem Igel. Egal, was man macht, er kann immer sagen: Ich bin schon da. Er hat alles, was auf dem Plattenmarkt zu singen ist, schon gemacht. René Kollo muss ein Vorbild sein.

Frage: Was erwartet das Publikum beim Konzert am Röhrensee?
Seiffert: Die letzten Einzelheiten werden noch abgeklopft. Wir werden auf jeden Fall unser Gesicht als Wagner-Sänger zeigen. Aber wir werden auch eine andere Seite zeigen, die man von uns nicht so kennt. Ich hoffe, dass man dann sagt: Das können die aber auch ganz gut.

Zur Person:

Peter Seiffert gehört zu den herausragenden Tenören des Wagner-Fachs. Im Jahre 2002 wurde Seiffert der Grammy in der Kategorie Best Opera Recording für seine Tannhäuser-Interpretation (Leitung: Daniel Barenboim) verliehen. In Bayreuth brillierte er in der Rolle des Stolzing, des Tannhäuser und des Lohengrin. Seine Karriere führte ihn in viele große Opernhäuser. Große Erfolge feierte er auch 2008 am Gran Teatre del Liceu in Barcelona.

Quelle: Nordbayerischer Kurier vom 7. Juli 2009

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